Zwischen Kilimanjaro, Massai und Kamera: warum Tanzania mich nie loslässt
- Carina Büchi
- 1. März
- 4 Min. Lesezeit
Im November habe ich für Aktivferien AG einen Blog über eines meiner persönlichen Lieblingsländer geschrieben. Ein Land, das mich seit Jahren begleitet und das ich immer wieder neu entdecke – mit der Kamera in der Hand und dem Blick für Details, die man nur sieht, wenn man wirklich unterwegs ist.
Diese Reise war für mich nicht einfach eine Destination, sondern eine Kombination aus Landschaft, Begegnungen und Momenten, die zeigen, warum wir genau solche Reisen anbieten. Fotografisch, intensiv und mit viel Nähe zu den Menschen vor Ort.
Fast sechs Jahre war ich nicht mehr in Tanzania. Früher war ich jedes Jahr mehrere Wochen dort, oft mit Gästen in der Serengeti. Meine letzte Reise führte mich Anfang 2020 – in den Flitterwochen – auf den Kilimanjaro. Danach waren Fernreisen lange kein Thema mehr.
Bis zu diesem Sommer. Beim Teamausflug in den Zoo Zürich, beim Sonnenuntergang hinter der Lewa Savanne, bat ich meinen Bruder um ein Foto. Kurz darauf änderte ich mein WhatsApp-Profilbild. Und wusste: Die Sehnsucht ist zurück.
Als ich später die Reise für Ruedi und Priska Abbühl plante – unsere Filmcrew für den neuen Imagefilm von Tanzania – liess mich der Gedanke nicht mehr los. Mein Vater fragte beiläufig, ob ich nicht mitkommen wolle. Und für mich war klar: Ich fliege wieder nach Tanzania.
Marangu, Geschichten und der pure Wahnsinn
Zuerst reisen mein Vater und ich nach Marangu. Schon unterwegs erzählt er mir Geschichten von seiner ersten Tanzania-Reise vor rund 40 Jahren: mit dem Bus von Kenia über die Grenze, Übernachtungen in einfachen Hostels, den Kilimanjaro bestiegen, ohne wirklich Essen einzukaufen – und irgendwo dazwischen entstand der Traum, Reisen für Gäste zu organisieren.
Ich bin beeindruckt über diesen Mut. Und ja, auch über den Wahnsinn. Ganz ohne Internet, mit rudimentären Englischkenntnissen auf beiden Seiten.
Wir kommen an. So lange weg – und doch sofort vertraut. Das Buschbaby ruft, Everest und George sind da, dazu viele junge Guides, die ich noch nicht kenne. Am nächsten Morgen frühstücken wir im Garten, alle Guides sind gekommen. Es wird gelacht, erzählt, erinnert. Ich frage Everest, was ihm auf seiner Europareise am besten gefallen habe. Er lacht: everything. Als wir ihm ein Fotoalbum überreichen, wird jedes Bild einzeln angeschaut und diskutiert. Die Zeit vergeht viel zu schnell.
Eine Frau, die auf der Farm arbeitet, spricht mich mit Händen und Füssen an. Everest übersetzt: Wir seien zur gleichen Zeit schwanger gewesen. Sie habe eine Tochter bekommen – und sie nach mir benannt.Wir zeigen uns Fotos unserer fünfjährigen Mädchen im Kindergarten. Zwei Welten, und doch viele Gemeinsamkeiten.
Weiter geht’s zum Kilimanjaro Gate und dann zum Teammeeting im Babylon Hotel. Beim Teammeeting wird diskutiert, argumentiert, nachgefragt. Die Guides bringen ihre Sicht ein, selbstbewusst und auf Augenhöhe. Technische Themen werden genauso selbstverständlich angesprochen wie Organisation, Sicherheit und Abläufe. Das Englisch ist klar, die Kommunikation direkt und respektvoll.
Ich sitze da und merke, wie stolz mich dieses Team macht. So viele junge Guides die so top motiviert sind. Hier steht niemand einfach still daneben – alle bringen sich ein.
Wie gerne würde ich in diesem Moment einfach loslaufen, mit ihnen Schritt für Schritt den Kilimanjaro hinauf. Doch diese Tour muss noch warten.
Aus der Luft – und mittendrin
In Arusha treffe ich mit meinem Vater Alex Rechsteiner, den Afrika-Delegierten der Freunde der Serengeti. Gemeinsam machen wir einen Rundflug über die Wasserlöcher, um die Wasserstände zu kontrollieren. Aus der Luft wird erst richtig sichtbar, wie fragil dieses Ökosystem ist – und wie eindrücklich. Sanfte und nachhaltiger Tourismus ist essentiell, um diese Tierwelt zu schützen.
Weiter geht es Richtung Ngorongoro. Diese Weite, diese Tierdichte, die kühlen Nächte, die Tierstimmen am Morgen – und die Abende am Lagerfeuer. Genau dieses Safari-Gefühl, das mir so sehr gefehlt hat.
Schlag auf Schlag geht es weiter. Wir sind zu einem Fest in Endulen eingeladen, im Massai-Hochland zwischen Ngorongoro und Serengeti. Emanuel Oleshangay, Mitglied des tansanischen Parlaments, hat uns in sein Dorf eingeladen. Am Strassenrand wartet Kimani, den ich seit Jahren kenne. Stolz erzählt er mir, dass er Vater geworden ist. Emanuel bittet mich, möglichst viele Fotos der Massai zu machen – ihre Schönheit und ihren Stolz festzuhalten. Für mich als Fotografin ein Geschenk.
Gnus – und ein Ort, der sprachlos macht
In Ndutu fühle ich mich sofort zuhause. Weiter geht es in die Serengeti, zunächst ohne die erhoffte Gnu-Wanderung. Weite Ebenen, einzelne Löwen, scheue Dikdiks.
Dann setzt leichter Regen ein. Eine Kurve – und wir stehen plötzlich mitten in der Herde. Tausende Gnus, Bewegung, Geräusche, Leben. Eine berührende Freude der Tiere die sich über den Regen freuen. Gleichzeitig bin ich froh muss ich nicht die Speicherkarten von Ruedi auswerten
Wir fahren weiter zur Kimarishe Lodge. Ich war vor sieben Jahren hier, als alles noch eine Baustelle war. Heute stehe ich an einem Ort, der mich sprachlos macht. Dieser Rundumblick, diese Lage – so eine Safari Lodge habe ich noch nie gesehen.
Eigentlich sollten mein Vater und ich am nächsten Tag nach Zanzibar weiterreisen. Beim Mittagessen fragt er mich, ob ich nicht lieber noch bleiben wolle. Ich brauche keine zwei Sekunden, um zu entscheiden.
Unterwegs mit den Massai
In der Lodge sind wir oft mit denselben vier Massai unterwegs – auf Fusssafaris und rund um das Camp. Einige kenne ich noch aus Ndutu. Sie begleiten uns frühmorgens zu den Filmaufnahmen und sind unsere stillen Beschützer.
Löwen am Pool
In der Lodge sind wir oft mit denselben vier Massai unterwegs – auf Fusssafaris und rund um das Camp. Einige kenne ich noch aus Ndutu. Sie begleiten uns frühmorgens zu den Filmaufnahmen und sind unsere stillen Beschützer.
Eines Morgens fragt mich einer von ihnen, ob ich gut geschlafen habe. Ich frage zurück.Er lacht:No, very busy. Crazy lion came to drink at the pool. Not healthy water for him, so I sent him away.
Ich bin skeptisch. Er merkt es und lacht, er werde es mir am Abend beweisen.
Später, beim Abendessen, sitzen Ruedi, Priska und ich mit offenen Laptops da, sichern Daten, beginnen mit der Bearbeitung. Da steht der Massai neben mir und sagt nur:Twende. Kommt mit. Mein Herz rast.
Und dann sehen wir ihn. Einen Löwen, direkt am Pool der Rezeption. Ohne Auto, ohne Schutz. So nah habe ich einen Löwen noch nie erlebt. Gross, ruhig, und unheimlich muskulös… In diesem Moment wird mir wieder bewusst, wie selbstverständlich die Massai mit der Natur und den Tieren leben. Tief beeindruckend.
























































































































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